Deutsche Bildungspolitik: Ein Armutszeugnis

Der bayerische Bildungsminister Michael Piazolo hat jüngst seine Pläne verkündet, um dem Lehrermangel an bayerischen Schulen entgegenzutreten. Was sollen wir sagen: Diese Pläne sind mehr oder weniger eine Bankrotterklärung der Bildungspolitik.

Denn nicht nur, dass das Fehlen ausgebildeter Fachkräfte seit langem bekannt ist und jegliche Gegenmaßnahmen verpennt wurden. Jetzt sollen es ausgerechnet diejenigen ausbügeln, die ohnehin bereits an der Grenze zur Belastbarkeit arbeiten: die Lehrerinnen und Lehrer.

Unakzeptable Unterrichtssituation

Der wesentliche Kern von Piazolos Maßnahmen: Sollen die Lehrkräfte halt mehr arbeiten!
Mehrarbeit, Einschränkungen bei Auszeiten, Ausschluss eines früheren Renteneintritts: Was für ein Signal an die Lehrerinnen und Lehrer, die täglich versuchen, das Schlimmste abzufedern! Erst kürzlich erreichte uns der Kommentar eines Lehrers, der angesichts der Zustände an deutschen Schulen resigniert resümierte: „Ich bin nur überrascht, dass so viele Lehrkräfte ihre nicht mehr zu akzeptierende Unterrichtssituation so klaglos hinnehmen.“

Wichtige Veränderungen wurden jahrzehntelang verschlafen

Es ist symptomatisch für die deutsche Bildungspolitik (wenn man sie denn überhaupt so nennen darf …), dass seit Jahren wichtige Entwicklungen fahrlässig verschlafen werden. Vor wenigen Monaten behauptete die Bundesbildungsministerin: Es sei wunderbar, dass es im Vergleich zu früher über eine Million weniger Menschen gäbe, die nicht ausreichend lesen und schreiben könnten. Zitat: „Das ist ein Erfolg, den unser Bildungssystem in den letzten Jahren geschafft hat.“

Kinder sollen halt mehr üben

Und heute zeigt sie sich alarmiert, dass zwanzig Prozent der 15-Jährigen nicht sinnverstehend lesen können. Als Lösung schlägt sie vor: „Am Ende hilft vermutlich nur: üben, üben, üben, auch wenn sich das altmodisch anhört.“ (SZ 13. Jan. 2020)
Mit dem ersten weist sie nach, dass sie wissenschaftliche Studien nicht korrekt interpretieren kann oder bewusst falsche Angaben macht, mit dem zweiten versucht sie, das jahrzehntelange Versagen der Bildungspolitik zu kaschieren und daraus entstehende Defizite ausschließlich auf die Schultern der Kinder zu laden. Tatsächlich, Frau Karliczek, das ist mehr als altmodisches Denken, das ist erbärmlich.

Ein Armutszeugnis

Die Bildungspolitik hat versagt. Immer wieder, jahrzehntelang! Beschwichtigen, Kopf in den Sand stecken, herummurksen: Was für ein Armutszeugnis für ein reiches Land wie Deutschland. Und welche Katastrophe für die Kinder. Ja, vielleicht sollte man ein wenig lauter werden! Verbände, Eltern und Lehrkräfte müssen nun ein Zeichen setzen.

 

 

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